FREItext von JFBS-Mitglied Julian Eicke

Ein Gedankenspiel

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in der Wartehalle von Terminal 3 des Flughafens Heathrow. Auf meiner Reise von Zürich über London nach Los Angeles und schliesslich Honolulu werde ich noch einige Male kritisch beäugt, mein Gepäck durchleuchtet und kritischen Fragen ausgesetzt werden. Bereits in der beschaulichen Schweiz, bisher zum Glück vom islamistischen Terror verschont, fallen einem mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten auf, die streng dreinblickend durch die Gänge der Zürcher Terminals patrouillieren. Sieht so die Zukunft in der Schweiz aus, dass an belebten Plätzen und Orten nun nach und nach schwer bewaffnete Polizisten Wache stehen, wie es in anderen europäischen Staaten mittlerweile üblich ist? Werden wir bald erst durch einen Metalldetektor gehen müssen, bevor wir öffentliche Veranstaltungen auf dem Barfi, dem Marktplatz oder der Kaserne besuchen dürfen? Ich hoffe es nicht. Denn dies beschnitte uns in unserer Freiheit. Und vor allem auch in unserer Unbeschwertheit. Doch gäbe es uns im Gegenzug wenigstens auch mehr Sicherheit? Ich weiss es nicht. Man stelle sich vor, wir sitzen an einem lauen Sommerabend gemütlich bei einem Bier vor einer Beiz auf dem Barfi. Lässt man den Blick schweifen, an den flanierenden Menschen vorbei, sieht man an der Ecke zur Aeschenvorstadt einen Kastenwagen der Polizei, davor mehrere Polizisten, die Maschinengewehre im Anschlag. Regelmässig patrouillieren Uniformierte – sind es gar Militärs, wie in Brüssel oder Paris? – durch die engen Gassen der Altstadt, vorbei an Cliquenkellern und alteingesessenen Beizen, am Läggerli-Huus und dem Stadtcasino.

Als liberaler und freiheitsliebender Mensch sind mir solche Szenarien für Basel ein Graus – denn suggerieren sie anstatt Sicherheit nicht eher eine ständige Bedrohung? Und wie wirkungsvoll ist eine erhöhte Polizeipräsenz, sind Personenkontrollen mit Metalldetektoren, um Anschläge wirklich zu verhindern? Wieder sei an dieser Stelle – leider – auf die Vorkommnisse in vom Terror geplagten europäischen Staaten verwiesen – trotz hoher Polizei- oder gar Militärpräsenz. Letztlich werden Terroristen immer einen Weg finden – so sie denn wollen. So zumindest mein Eindruck.

Und auch hinter den sichtbaren Verschärfungen der Sicherheitsmassnahmen, in der Überwachung jedes Einzelnen, bis hinein in seine intimstem Gedanken, gespeichert auf Festplatten in den eigenen vier Wänden, werden weitere Verschärfungen, zusätzliche Kompetenzen auf gesetzgeberischer Seite, vorgenommen werden. Doch was geben wir auf, was gewinnen wir? Diese Thematiken, das BÜPF oder das neue NDG, bringen für mich immer einen schalen Beigeschmack mit. Einerseits leuchtet mir die Notwendigkeit von Massnahmen ein. Auf der anderen Seite bleibt das schlechte Gefühl, dass wir und unsere europäischen Nachbarn damit Stück für Stück etwas preisgeben, was in Jahrhunderten mühsam erarbeitet, erkämpft und erduldet werden musste.

Aber gibt es Freiheit ohne Sicherheit? Und gibt es Sicherheit ohne Freiheit? Es scheint mir ein wenig wie die Frage nach dem Huhn oder dem Ei.

Während ich darüber sinniere, werde ich vor dem Gate befragt: „Wer sind Sie? Was wollen Sie in Amerika? Wie lange werden Sie bleiben? Und haben Sie vor, in Amerika kriminellen Tätigkeiten nachzugehen?

(FREItext: Immer wieder erhält ein Mitglied der JFBS eine Carte Blanche. Die Länge, die Form und das Thema sind frei wählbar.)

2017-08-28T19:01:23+00:00